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Wenn Familien und Senioren die Wohnung tauschen

Wächst die Familie, steigen der Platzbedarf und damit die Mietkosten. Senioren dagegen leben oft in Wohnungen, die zwar geräumig, aber nicht altersgerecht ausgebaut sind. Warum also nicht gleich beiden Zielgruppen helfen? Dies sagte sich die Stadt Lausanne, und startete ein Pilotprojekt zum Wohnungstausch.

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Zu klein, zu gross, zu laut, zu teuer – auch in Lausanne ist es nicht leicht, eine passende Wohnung zu finden. Besonders betroffen sind Senioren und Familien. Letztere haben Mühe, eine erschwingliche Bleibe mit zusätzlichen Zimmern zu finden. Erstere haben oft mehr als genug Platz, etwa weil die Kinder auszogen, sie aber blieben. Dafür müssen sie vielleicht mühsam Stiegen erklimmen oder riskieren auf dem rutschigen Boden im Bad einen Sturz. Andere sind noch rüstig, möchten aber zeitig eine altersgerechte Wohnung finden, um möglichst lange unabhängig zu bleiben.

Wohnungstausch schafft Win-win-Situation

Die Verantwortlichen für Wohnraum der Stadt Lausanne beschlossen, auf die Wohnungsknappheit zu reagieren. Sie riefen gemeinsam mit der «Société Immobilière Lausannoise pour le Logement S.A.» (SILL) ein Projekt ins Leben, um gleich beiden Zielgruppen zu helfen. Die Idee: Die Familien ziehen in die grössere Wohnung der Senioren. Diese ziehen in die kleinere der Familien, und die Stadt baut die Räume falls nötig vorher barrierefrei um – eine Win-win-Situation also. Der Wohnungstausch findet Anklang; seit dem Projektstart im Februar 2024 haben sich gut 60 interessierte Haushalte gemeldet, das ist rund ein Viertel aller Berechtigten. Zu diesen zählt, wer eine nicht-subventionierte Wohnung der Stadt Lausanne oder der SILL bewohnt und diese entweder überbelegt ist (Familien) oder unterbelegt bzw. nicht altersgerecht (Senioren).

Angst vor höheren Mieten

Eine Schwierigkeit zeichnet sich jedoch ab: Es interessieren sich weit mehr Familien für den Tausch als Senioren. Die Verantwortlichen verstehen das: «Wer jahrzehntelang in einer Wohnung gelebt hat, befürchtet oft, in einem neuen Quartier die Orientierung zu verlieren – physisch und sozial», sagt Natacha Litzisdorf, Stadträtin und Vorsteherin des Departements für Wohnen, Umwelt und Architektur der Stadt Lausanne. Als weiteren Grund für die Hemmungen der Senioren, das gewohnte Zuhause aufzugeben, nennt sie Bedenken wegen höherer Mietkosten. Diese seien nicht unbegründet. Falls die Senioren lange in derselben Wohnung wohnten, profitierten sie häufig von einer stabilen Miete. Mit dem Umzug gehen Renovationsarbeiten einher, und das führt oft zu höheren Mieten. Zu den Herausforderungen des Projekts zählt es somit, den Tauschwilligen eine Wohnung zu einem ähnlichen Mietpreis anzubieten, wie sie ihn vorher bezahlten. Die Stadt Lausanne und die SILL überprüfen jegliche Möglichkeit, um beiden Haushalten einen vor-teilhaften Vorschlag zu unterbreiten.

Manche Seniorinnen und Senioren benötigen mehr Zeit zum Überlegen als die Familien.
Natacha Litzistorf, Stadträtin

Um ihnen den Entschluss zu erleichtern, bietet die Stadt in jeder Phase Unterstützung an – zum Beispiel finanziell und logistisch: Sie hilft beim Sortieren und Räumen sowie beim Umzug selbst. Ausserdem übernimmt sie die Kosten des Umbaus zur altersgerechten Wohnung. Die Stadt will keinesfalls Druck ausüben: «Der Wohnungstausch ist freiwillig. Die Beteiligten haben jederzeit die Möglichkeit, sich aus dem Projekt zurückzuziehen», sagt Natacha Litzisdorf.

Neue Partnerschaften und Zielgruppen im Fokus

Ob sich so mittelfristig genügend Tauschpaare ergeben, wird sich zeigen. Die Lösungen, die bisher zu Stande kamen, sind noch in der Evaluationsphase. Wenn die Umzüge vollzogen sind und das Pilotprojekt Ende 2025 ausläuft, wollen Stadt und SILL Bilanz ziehen. Falls diese positiv ausfällt, entwickeln sie das Projekt weiter. Als Erstes planen sie Kollaborationen mit Bauherrschaften öffentlicher Bauten und privaten Immobilienbesitzerinnen und -besitzern. Auch eine digitale Tauschplattform wäre denkbar. Zudem wollen Natacha Litzistorf und ihr Team weitere Zielgruppen angehen: Studentinnen und Studenten, Personen mit eingeschränkter Mobilität, Paare und Singles.

Wohnflächen und Energieressourcen effizient nutzen

Je besser der vorhandene Wohnraum genutzt wird, desto tiefer fällt der Energieverbrauch pro Person aus. Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology zeigte, dass eine höhere Raumbelegung ohne weitere Massnahmen in 72 % der betrachteten Fälle zu niedrigeren CO2-Emissionen führte als eine gleichbleibende Raumbelegung mit wärmedämmenden Massnahmen. Das Projekt der Stadt Lausanne trägt dazu bei, Wohnflächen effizient zu nutzen und schont so die Energieressourcen.

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

Geschätzte Kosten der Pilotphase: 60’000 CHF Die Stadt Lausanne übernimmt im Fall der Seniorenwohnungen die Kosten für Umzug, Umbau und Entsorgung. Der Bund unterstützt das Projekt mit 20'000 CHF im Rahmen des Förderprogramms 2023-2024: Nachhaltiges Wohnen.

Zeitdauer

2024-2025

Involvierte Akteure

Stadt Lausanne (Abteilung für Wohnen und Lebensraum und Direktion für Wohnungswesen, Umwelt und Architektur) et Société Immobilière Lausannoise pour le Logement (SILL).

Erfolge

Bisher haben 61 Haushalte Interesse an einem Wohnungstausch gezeigt, darunter 53 Familien und 8 Senioren. Das entspricht einem Viertel der teilnahmeberechtigten Haushalte.

Herausforderungen

Die Nachfrage von Familien ist grösser als diejenige von Seniorinnen und Senioren. Eine der Herausforderungen besteht darin, den Tauschpartnern eine Wohnung zu einem ähnlichen Preis anzubieten, wie sie ihn vorher bezahlten. Die Vorschläge müssen für beide Seiten positiv sein.

Nachhaltige Perspektive

Ökologische Nachhaltigkeit: Das Projekt begünstigt eine effiziente Nutzung der Wohnflächen und der Energieressourcen. Soziale Nachhaltigkeit: Das Projekt bekämpft die Wohnungsknappheit, verbessert die Wohnbedingungen und bietet Alternativen zu Alterswohnungen und Altersheimen. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Barrierefreies Wohnen verhindert Haushaltunfälle. Das wirkt sich auf Gesundheitskosten positiv aus.

Tipps und Tricks

Den Seniorinnen und Senioren Zeit geben, um sich zu entscheiden und sie über unterstützende Begleitmassnahmen informieren.

Kontakt

Maryam Ben Ahmed-Rappaz Kommunikationsverantwortliche Direktion für Wohnungswesen, Umwelt und Architektur Maryam.BenAhmed@lausanne.ch 021 315 53 11

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